Startseite
  Archiv
  Kontakt
 


 

Webnews



http://myblog.de/mafexblog

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Eindrücke zur “2nd European Conference on Entrepreneurship and Innovation”

Entrepreneurship und Innovation – Eindrücke zur “2nd European Conference on Entrepreneurship and Innovation”, School of Economics, Universität Utrecht/Niederlande, 08./09. November 2007

von Cord Siemon

Am 8. und 9. November fand die zweite Konferenz zum Thema Entrepreneurship und Innovation in Utrecht statt. Der Selektionsprozess für die eingereichten Konferenzpapiere war durch das vorgeschaltete Gutachterverfahren (double-blind) vergleichsweise langwierig und scharf. Als Repräsentant von Mafex war ich (zusammen mit Dr. Otter von der Verwaltungshochschule Speyer) mit einem Beitrag zum Thema „Coaching Entrepreneurship: How to Overcome the Knowing-Doing-Gap“ vertreten. Im Rahmen des Vortrags und der anschließenden Diskussion wurden die für Mafex mittlerweile selbstverständlichen theoretischen Grundlagen und die daraus resultierenden praktischen Implikationen vorgestellt. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über eine kleine Auswahl derjenigen Konferenzthemen geben, welche wissenschaftlich und praktisch auch den Mafex-Ansatz berühren.

Der Konferenzablauf war sehr restriktiv organisiert. Jede Sitzung (á 90 min.) enthielt drei Vorträge mit je 20 min. Redezeit und anschließender Diskussion. Auf diese Weise war man selbst erheblich zur didaktischen Reduktion verdammt, konnte aber gleichzeitig zwischen verschiedenen Sitzungen – je nach Interessenlage – hin- und herpendeln, da die Einhaltung des Zeitplanes ein rechtzeitiges Zustoßen immer ermöglichte. Die Spannbreite der angebotenen Themen war (erwartungsgemäß sehr breit. Auf der einen Seite stramme neoklassische Wachstumstheorie und der Versuch einer modellmäßigen Einbindung unternehmerischer Aspekte (1). Auf der anderen Seite empirische Untersuchungen zu den Problemen der Organisation des Technologietransfers in Hochschulen ohne tiefgreifenden theoretischen Bezugsrahmen für die festgestellte Tatsache, dass Technologietransfer in Europa auf vielfältige Art und Weise praktiziert wird (2). Bemerkenswert ist, dass die Rolle des (akademischen) Wissens im Innovationsprozess mehrfach vor einem „unternehmerischen“ Hintergrund diskutiert wurde (3). In diesem Zusammenhang wurde auch die „unternehmerische Ausbildung“ in der Form thematisiert, dass eine stärkere Handlungsorientierung in der Unternehmerausbildung notwendig ist, wenn man nicht Gefahr laufen will, Wissenschaftler zu Managern auszubilden (4). Auch die schwierige Fragestellung „Wer trainiert die Trainer eigentlich (effektiv)?“ wurde angeschnitten (5).

Daneben gab es Beiträge zu sehr speziellen Themen, wie bspw. die Frage nach der unternehmerischen Einstellung und Motivation von Frauen in muslimischen Kulturkreisen. Demzufolge scheinen Frauen – befragt nach ihren Motivalagen – bei der Unternehmensgründung eine starke Disposition zur Bildung von Sozialkapital zu haben (6). Ebenfalls sehr interessant ist die – von Mafex bereits häufiger aufgeworfene – Fragestellung nach der Kausalität von Planungsintensität/-dauer und Gründungserfolg, die van Teefelen mit seinem Beitrag „Do Planning and Preparation Predeict Success in SME-Transfers“ für erfolgreiche Unternehmensübernahmen empirisch nachgegangen ist. Entgegen der traditionellen Handbuchlogik (und für Mafex’ler wenig überraschend) sind demnach endlose Planungen und eine hohe Zahlengläubigkeit für den Prozess einer Unternehmensübernahme oft eher hinderlich als förderlich. Zu lange Planungsperioden und zu detaillierte Finanzprognosen täuschen Genauigkeiten vor, die bereits wenige Wochen nach der Gründung/Übernahme hinfällig werden und versperren den Blick für wesentliche Erfordernisse in der strategischen Ausrichtung. Genauso interessant ist es zu sehen, dass der von Mafex bereits seit längerem verfolgte autopoietisch-systemische Theorieansatz (Röpke 2002; Aßmann 2003; Siemon 2006, Freier 2007) im Kontext der Bedeutung von kognitiven Fähigkeiten im Rahmen der Strategieausrichtung und der Reproduktionsfähigkeiten von Unternehmen (Überleben, Gewinn, Umsatz etc.) für Fallstudien-Analysen ebenfalls eingesetzt wird. Der Beitrag „Cognition and Innovation: Entrepreneurship and the Autopoietic Approach: The Cases of Aer Lingus and Fiat“ von Frau Demartini war vor diesem Hintergrund besonders hörens-, lesens- und vor allem sehenswert.

Abgesehen davon, dass der wissenschaftliche und praktische Austausch auf internationaler Ebene das eigene Tun und Handeln immer befruchtet, resultieren aus Konferenzen dieser Art eine Reihe von nützlichen Netzwerkbeziehungen. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit, z.T. sehr bekannte Persönlichkeiten der Gründungsforschung kennen zu lernen, um sich von den Meinungen großer Namen inspirieren zu lassen. Der Star dieser Veranstaltung war David B. Audretsch, der von der Universität Indiana/USA eingeladen wurde, einen Vortrag zum Thema „Entrepreneurial Society“ zu halten. Es war schade, dass Audretsch sowohl vor als auch nach dem Vortrag nur wenig Zeit hatte, so dass ein informeller Austausch kaum zustande kam. Audretsch hat in seinem Vortrag im Wesentlichen die Grundlagen und Ergebnisse seines Buches „Entrepreneurship and Economic Growth“ vorgestellt, welches er zusammen mit Keilbach und Lehmann 2006 herausgegeben hat. Audretsch stützt sich dabei auf ein Wachstumsmodell, welches – im Unterschied zum Wachstumsmodell von Romer – neues Wissen nicht per se als Wachstumsmotor begreift. Durch die modelltheoretische Berücksichtigung des unternehmerischen Elements rekurriert Audretsch auf einen „Knowledge-Filter“. Die Fruchtbarkeit, die Implikationen und die Probleme dieses Ansatzes wurden von mir an anderer Stelle ausführlich diskutiert (siehe dazu meine Buchbesprechung zum o.g. Buch von Audretsch, Keilbach und Lehmann im bevorstehenden Ordo-Band 2007).

(1) Acs und Sanders: „A Theory of Entrepreneurial Rents in Endogenous Grwoth“

(2) van der Heide, van der Sijde und Terlouw: The Institutional Organisation of Knowledge Transfer and ist Implications“

(3) Scholten und Jousma: „The Role of Scientists in Starting-up Research-Based Spin-off Companies“ und van Burg, Romme, Gilsing und Reyman: „Creating University Spinoffs: A Science-Based Design Perspective“

(4) Buijs und Beugels: „Moving from Management to Entrepreneurship: A Case Study about Training Science Students fort he Business World“

(5) Kakouris: „On a Distance-Learning Approach to ,Train The Trainers’ in Entrepreneurial Education in Greece“

(6) Low und Collins: „Entrepreneurship und Social Innovation: Muslim Women Entrepreneurs in Uzbekistan

14.11.07 08:36
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung