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Tote Ideen und Starforscher in Frankreich

von Haka Hori


Die Franzosen sind Meister in der Produktion toter Ideen. Ihr Motto: eine tote Idee ist besser als keine Idee. Ihr neuer Präsident will das ändern. Denkt weniger und arbeitet härter. Die "kleinen Ferien" und das "bon weekend" ersetzt durch härter arbeiten. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagt doch tatsächlich: "Genug mit dem Denken. Rollt eure Ärmel hoch" (1) (New York Times, the economist) , Präsident Sarkozy folgend, der mit dem Slogan: „Mehr arbeiten für mehr Geld“, doch tatsächlich die Mehrheit der französischen Wähler auf seine Seite bringt. Daß die französischen Stardenker - in Frankreich „Philosophen“ genannt – so etwas nicht schlucken, ist klar. Die Regierung unter Nicolas Sarkozy schert das nicht.
Mutiert die französische Wirtschafts-, Finanz- und Wissenschaftspolitik in einer für deutsche Verhältnisse unglaublichen und nicht tolerierbaren Weise? "All diese französischen Banker, nach London emigriert“, "all diesen fiskalistischen Exilanten", die vor dem französischen Steuerstaat flüchten, "sie alle wünschen nur eines: nach Frankreich zurück zu kommen. Ihnen und allen unseren Landsleuten, welche den Schlüssel zum Steuerparadies suchen, öffnen wir unsere Tore". Eine Abgeltungssteuer in Frankreich: ein neuer Sturm auf die Bastille. Frau Lagarde gilt als kommunikationsbegabtes Arbeitstier.

„Ihre helle Stimme formt knappe, präzise Sätze. "Sie hat eine Gabe, komplizierte Dinge auf einfache Weise auszudrücken und den Menschen nahezubringen", sagt Dominique de La Garanderie, eine ehemalige Anwaltskollegin (2).

Frau Lagarde kannte, als sie ihre Politik vor dem Parlament bekannt macht, eine Untersuchung von Institut Necker noch nicht: „Recherche biomédicale: l’integralité des classements.“ (3) Die Enquete widmet sich dem Zustand und der Zukunft der französischen bio-medizinischen Forschung. „Die traurige Bilanz der französischen Forschung“ fassen zwei der Autoren, Philippe Even (Präsident von Necker) und Alain Perez, ihre Studie in Les Echos zusammen. (4)

Zwei Jahre haben die Forscher von Necker ihre Kollegen beobachtet. 3,800 Forscher, verantwortlich für 45.000 Artikel, wurden minutiös beobachtet. 101 „super excellente“ Forscher fanden sie unter den 30,000 Forschern, Ingenieuren und Technikern in den französischen Biowissenschaften. Diese waren im wesentlichen für die Beiträge in international respektierten Fachjournalen verantwortlich. Die Unterschiede in der Forschungsproduktivität der Forscher sind gewaltig: 1:200. Schritt für Schritt verliert Frankreich den Anschluß an die internationale Elite. Bemerkenswert, was die Enquete nicht zum Thema macht. Kein Gegenstand waren die „toten Ideen“ oder der Knowing-Doing- Gap: Wie bringe ich wissenschaftliche Erkenntnisse, so gut oder schlecht sie sein mögen, in die Wertschöpfungsketten der Wirtschaft? In 15 Kapiteln wird der „calamitieux“ Zustand der Bioforschung abgehandelt. Entreprendre kommt nicht vor. Hat G.W. Bush doch noch recht bekommen: „Die Franzosen haben kein Wort für entrepreneur?“ Offensichtlich mögen die Franzosen den sechsten Kondratieff nicht. Ideen, wenn es schon sein muß. Umsetzen, nicht unsere Sache. Die französischen Starforscher unterscheiden sich damit grundsätzlich von den „star scientists“ der Amerikaner, die forschen, neukombinieren und damit auch Geld in die Forschungskasse bringen, was den Bioforschern, der Enquete zu Folge, zunehmend ausgeht.
Solange die Kopplung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Frankreich so weiter läuft wie bisher, wird Frankreich in der Tabelle weiter nach unten durchgereicht, wo das Hexagone mittlerweile auf 14. Rang steht. Irgendwann wird Sarkozy die nationalen Champions gegen akademische Gazellen ersetzen müssen.


(1) Elaine Sciolino, New leaders say pensive French think too much , The New York Times, 22. July; The Economist, 21. July, 2007,
(2) Heimo Fischer, Sarkozys Superministerin , Financial Times Deutschland, 24. Juli 2007:
(3) http://www.lesechos.fr/info/france/300189884.htm
(4) http://www.lesechos.fr/info/sante/4602748.htm




24.7.07 19:29
 


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